Pressemitteilung 003-2026

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Fluglärm trotz Schutzversprechen: Über Messel entsteht heimlich eine neue Flugroute
Direktfreigaben hebeln CINDY-S aus – Behörden schauen weg, Bürger tragen die Folgen

Erzhausen / Messel, 17. April 2026 – Was als Lärmschutzmaßnahme verkauft wurde, entwickelt sich für Messel zunehmend zum Gegenteil: Seit Einführung der Abflugroute CINDY-S werden Flugzeuge immer häufiger per Direktfreigabe von der vorgesehenen Strecke abgeleitet – und gezielt über Messel geführt. Die Folge: immer mehr Fluglärm für die 4.215 Einwohner [1]. Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der Überflüge dramatisch gestiegen:

  • 169 Überflüge (10.07.–31.12.2024)
  • 754 Überflüge (10.07.–31.12.2025)
    ⇒ ein Anstieg um 346% [2]

Was ursprünglich als Ausnahme gedacht war, ist längst zur Regel geworden. De facto entsteht eine neue Flugroute – ohne Planung, ohne Bewertung, ohne öffentliche Diskussion. Schutz auf dem Papier – Belastung in der Realität.

Die Route CINDY-S wurde bewusst so geplant, dass sie durch Kurven besonders lärmsensiblen Gebieten ausweicht – auch auf Kosten von Effizienz und Treibstoffverbrauch.

Doch genau diese Schutzfunktion wird im Alltag systematisch ausgehebelt: Flugzeuge schneiden die Kurven ab, sparen Zeit und Kerosin – und verlagern den Lärm nach Messel. Die Realität im Luftraum widerspricht damit direkt den Versprechen aus dem Planungsverfahren. Rechtlich fragwürdig – politisch ignoriert.

Bereits 2014 warnte der Sachverständigenrat für Umweltfragen: Häufige Direktfreigaben können einer Umgehung festgelegter Flugrouten gleichkommen – und sind rechtlich problematisch (Siehe BT-Drucksache 18/1375 [3]). Es ist sogar von Gesetzwidrigkeit die Rede!

Dass ausgerechnet in der zuständigen Fluglärmkommission sowohl dieses Wissen als auch die aktuellen Zahlen vorliegen, macht die aktuelle Untätigkeit besonders brisant. Eine kritische Reaktion bleibt bislang aus.

Messel: nie eingeplant – jetzt massiv betroffen

Noch schwerer wiegt ein grundlegender Planungsfehler: Messel wurde in der ursprünglichen Bewertung der CINDY-S-Route nicht einmal als relevantes Überfluggebiet berücksichtigt. Heute zeigt sich: Die tatsächliche Belastung liegt weit über den damaligen Annahmen. Eine Situation, die nie vorgesehen – und der Öffentlichkeit nie ehrlich vermittelt wurde.

„Messel war nie Teil der Planung – und genau das rächt sich jetzt. Eine Flugroute, die Entlastung versprochen hat, wird im Betrieb systematisch ausgehebelt. Das ist kein Zufall, sondern ein strukturelles Problem. Die Menschen hier haben ein Recht auf Schutz – und auf politische Konsequenzen.“

– Martin Unverzagt, Mitbegründer & Vorsitzender Stopp CINDY-S e.V.

Behörden relativieren – statt aufzuklären

In offiziellen Präsentationen[4] werden sinkende oder stabile Zahlen für viele Orte hervorgehoben. Der massive Anstieg über Messel wird dagegen heruntergespielt – etwa mit dem Hinweis auf größere Flughöhen. Für die Betroffenen ist das keine Entlastung, sondern ein Schlag ins Gesicht. Denn entscheidend ist nicht die Darstellung auf Folien, sondern die tatsächliche Belastung vor Ort.

Zentrale Fragen bleiben unbeantwortet:
  • Warum nehmen Direktfreigaben so stark zu?
  • Nach welchen Kriterien werden sie erteilt?
  • Wer kontrolliert, ob Lärmschutzversprechen eingehalten werden?
Forderungen:
  • Sofortiger Stopp wirtschaftlich motivierter Direktfreigaben über Messel
  • Volle Transparenz über interne Vorgaben der Deutschen Flugsicherung
  • Eingreifen der hessischen Aufsichtsbehörden
  • Die sofortige Aussetzung des Einsatzes von CINDY-S und die Einleitung eines systematischen Bewertungsverfahrens unter Einbeziehung valider Lärmmessungen
Ein strukturelles Problem – kein Einzelfall

Der Fall Messel zeigt exemplarisch ein größeres Defizit: Festgelegte Flugrouten verlieren ihre Wirkung, wenn sie im Alltag beliebig unterlaufen werden können. Wenn wirtschaftliche Interessen über den zugesagten Lärmschutz gestellt werden, wird Vertrauen verspielt – und Lärmschutz zur Illusion. Der Gesetzgeber ist gefordert, endlich klare und verbindliche Regeln zu schaffen.

Quellen: 
  1.  https://www.statistikportal.de/de/gemeindeverzeichnis/06432012
  2. Forum Flughafen & Region (FFR), Vortrag auf der 283. Sitzung der Frankfurter Fluglärmkommission, 18. Februar 2026, S. 48. Das FFR ist die ständige, zentrale Dialog- und Entscheidungsvorbereitungsplattform zwischen der Rhein-Main-Region und der Luftfahrtindustrie.
  3. https://dserver.bundestag.de/btd/18/013/1801375.pdf
  4. Forum Flughafen & Region (FFR), Vortrag auf der 283. Sitzung der Frankfurter Fluglärmkommission, 18. Februar 2026, S. 47-48

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Über Stopp Cindy-S e.V.

Stopp Cindy-S e.V. ist ein eingetragener Verein, der die Interessen von weit mehr als 70.000 Anwohnerinnen und Anwohnern südlich des Frankfurter Flughafens vertritt. Sie alle sind seit der Einführung der Abflugroute CINDY-S am 10. Juli 2025 neu von übermäßigem und rechtlich umstrittenem Fluglärm betroffen. Der Verein bündelt und koordiniert das Vorgehen der betroffenen Kommunen Egelsbach, Erzhausen, Gräfenhausen, Langen, Messel, Mörfelden-Walldorf, Wixhausen und Büttelborn.

Der Verein setzt sich für die sofortige Aussetzung des Betriebs der Route CINDY-S sowie für ein transparentes und wissenschaftlich fundiertes Überprüfungsverfahren zur Genehmigung der Route durch das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) und die Deutsche Flugsicherung (DFS) ein. Zu seiner Arbeit zählen die Durchführung unabhängiger, gerichtsfester Lärmmessungen, die Koordinierung von Beschwerden und rechtlichen Schritten sowie der direkte Dialog mit politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern und den zuständigen Behörden.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.stopp-cindy-s.de