Pressemitteilung 2026-009 10.07.2026

Stopp Cindy-S e.V.
Erzhausen | Messel | Egelsbach und umliegende Gemeinden

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Ein Jahr CINDY-S – ein Jahr ohne Antwort

Erzhausen, 10. Juli 2026

Am 10. Juli 2025 wurde die Abflugroute CINDY-S am Frankfurter Flughafen aktiviert – ohne öffentliche Debatte, ohne ausreichende Beteiligung der Betroffenen, ohne demokratische Legitimation. Ein Jahr später zieht der Verein Stopp Cindy-S e.V. Bilanz: Die Fakten liegen auf dem Tisch. Die Antworten der Politik fehlen bis heute.

Über 70.000 Menschen in zehn Gemeinden – von Mörfelden-Walldorf über Langen, Egelsbach und Erzhausen bis Messel und Groß-Zimmern – leben seit einem Jahr unter einer Route, zu deren Einführung sie nie gefragt wurden.  Was als „lärmfachliche Optimierung“ verkauft wurde, ist in Wahrheit eine Verlagerung von Fluglärm von einer Region auf eine andere: Verlagerung statt Reduktion und Umgehung jeglicher Planungssicherheit der Bürger.

Ein Jahr CINDY-S in Zahlen

Die Messdaten des Umwelt- und Nachbarschaftshauses (UNH) und die eigenen Recherchen des Vereins belegen das Ausmaß:

  • Wixhausen Nord und Erzhausen sind viel stärker betroffen als zuvor 
    Die Lärmpegel in Wixhausen Nord und Erzhausen sind sehr viel höher als die in Arheilgen und besonders Kranichstein jemals waren. Das heißt, hier steigen die Lärmpegel, von Reduzierung kann keine Rede sein.
  • Mehr Lärm dazu als weggenommen wurde: In Egelsbach stieg die Lärmbelastung um bis zu 13 dB(A) – ein Anstieg, der die Entlastung von Darmstadt-Arheilgen (7 bis 10 dB(A) weniger) deutlich übersteigt. Zur Einordnung: Schon eine Zunahme um 10 dB(A) nimmt das menschliche Ohr als Verdopplung der Lautstärke wahr.
  • Direktfreigaben über Messel: von 169 auf 754 (plus 346% in nur einem Jahr). „Direktfreigaben“ sind Abkürzungen für Flugzeuge: Die Flugsicherung erlaubt es Flügen, die festgelegte Route vorzeitig zu verlassen und im Direktflug über den Ort abzukürzen – zusätzlicher Lärm, der in keiner offiziellen Routenplanung auftaucht.
  • 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro gefährdetes Immobilienvermögen in den betroffenen Gemeinden, ermittelt nach wissenschaftlich anerkannter Methodik.
  • Zehn Gemeinden belastet – eine Stadt entlastet: Darmstadt ist heute die einzige Kommune im Umfeld des Flughafens, die vom Fluglärm weitgehend verschont bleibt – ausgerechnet jene Stadt, die, getrieben von ihren eigenen Haushaltsproblemen, über Jahre auf die Verlagerung des Lärms hingearbeitet hat (Bitte beachten Sie unsere frühere PM „Das Darmstädter Meisterstück“).

Was der Verein in einem Jahr erreicht hat

Innerhalb von zwölf Monaten ist aus einer spontanen Betroffenenbewegung ein eingetragener Verein mit professionellen Strukturen und über 600 Mitgliedern geworden. Die Bilanz des ersten Jahres:

  • Akteneinsicht beim Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF): Der verfahrensrechtliche Grundstein, um die Entstehung der Route lückenlos nachzuvollziehen. Die Auswertung der Akten belegt unter anderem unvollständige Lärmdaten zum Zeitpunkt der Einführung, eine unter Zeitdruck erteilte Genehmigung, Überlegungen zur Umgehung der Fluglärmkommission sowie einen nachträglich abgesenkten Sicherheitspuffer (Bitte rufen Sie unsere vorherige PM auf Die Akte CINDY-S).
  • Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte: Mit der Veröffentlichung „Das Darmstädter Meisterstück“ liegt erstmals eine umfassende Darstellung vor, wie über 15 Jahre – ohne öffentliche Debatte und ohne Offenlegung von Interessenkonflikten – auf die Verlagerung des Fluglärms hingearbeitet wurde.
  • Eine wachsende Bürgerbewegung hinter der Petition an den Hessischen Landtag: Fast 4.000 Bürgerinnen und Bürger haben die Unterschriftenaktion des Vereins bereits unterzeichnet; die förmliche Einreichung beim Landtag wird derzeit vorbereitet.
  • Direkte Gespräche mit der Politik: unter anderem mit Vertretern der Hessischen Landesregierung und der betroffenen Landkreise sowie schriftliche Eingaben an die Fluglärmschutzbeauftragte des Landes und das Umwelthaus/Forum Flughafen und Region.
  • Breite Medienresonanz: von der Lokal- bis zur überregionalen Presse – das Thema CINDY-S ist im öffentlichen Bewusstsein angekommen.

Was bis heute unbeantwortet bleibt

Kein Verantwortlicher hat bis heute erklärt, auf welcher demokratischen Grundlage 70.000 Menschen neu verlärmt worden sind. Keine der schriftlich gestellten Fragen des Vereins an Landesregierung, Fluglärmkommission und Aufsichtsbehörden wurde substanziell beantwortet. Stattdessen erhalten wir Verweise auf Zuständigkeiten und auf laufende Verfahren – und man spielt auf Zeit.

„Ein Jahr lang haben wir Fakten geliefert, Fragen gestellt und Gesprächsangebote gemacht. Die Antwort der Verantwortlichen ist ernüchternd.

Wer eine Route technokratisch verordnet, ohne sie demokratisch zu legitimieren, trägt die politische Verantwortung – und die lässt sich nicht aussitzen. Eines ist klar: Unsere Politischen Vertreter zeigen den Bürgern, dass Planungssicherheit für Sie kein wichtiges Gut ist und wir jederzeit Opfer von Klientelpolitik werden können, und zwar überall! Wir lassen uns aber nicht gegeneinander ausspielen und werden weiter für unsere Rechte kämpfen. Selbst wenn wir das Land auf Schadensersatz verklagen müssen!

Stopp Cindy-S e.V. steht für ein faires, transparentes und demokratisch legitimiertes Verfahren für alle Betroffenen – nicht für die Umverteilung des Lärms von einer Gemeinde auf die nächste.“

– Martin Unverzagt, Vereinsvorsitzender, Stopp Cindy-S e.V.

Der Blick nach vorn

In den kommenden Monaten stehen richtungsweisende Beratungen in der Fluglärmkommission an. Der Verein macht bereits heute deutlich: Wir lassen uns nicht aufrechnen.

Der Verein fordert in Vertretung der 70.000 Betroffenen:

  1. die Aussetzung der Route CINDY-S,
  1. eine unabhängige, gutachterliche Untersuchung ihrer Entstehung,
  1. ein transparentes, demokratisch legitimiertes Verfahren für alle künftigen Routenentscheidungen unter Berücksichtigung einer Planungssicherheit für ALLE Bürger.

Alle Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, unsere Unterschriftenaktion zu unterstützen: https://www.stopp-cindy-s.de/index.php/mitmachen

Über Stopp Cindy-S e.V.

Stopp Cindy-S e.V. ist ein eingetragener Verein, der die Interessen von weit mehr als 70.000 Anwohnerinnen und Anwohnern südlich des Frankfurter Flughafens vertritt. Sie alle sind seit der Einführung der Abflugroute CINDY-S am 10. Juli 2025 neu von übermäßigem und rechtlich umstrittenem Fluglärm betroffen. Der Verein bündelt und koordiniert das Vorgehen der betroffenen Kommunen Mörfelden-Walldorf, Langen, Groß-Zimmern, Büttelborn, Egelsbach, Erzhausen, Gräfenhausen, Wixhausen, Messel und Schneppenhausen.

Der Verein setzt sich für die sofortige Aussetzung des Betriebs der Route CINDY-S sowie für ein transparentes und wissenschaftlich fundiertes Überprüfungsverfahren zur Genehmigung der Route durch das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) und die Deutsche Flugsicherung (DFS) ein. Zu seiner Arbeit zählen die Durchführung unabhängiger, gerichtsfester Lärmmessungen, die Koordinierung von Beschwerden und rechtlichen Schritten sowie der direkte Dialog mit politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern und den zuständigen Behörden.

Pressekontakt

Stopp Cindy-S e.V. · Bayerseich 1, 64390 Erzhausen

Amtsgericht Darmstadt, VR 85080

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