Pressemitteilung 2026-015 29.09.2026

Stopp Cindy-S e.V.
Erzhausen | Messel | Egelsbach und umliegende Gemeinden

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Nicht nur verlagert, sondern verstärkt: FFR-Zahlen belegen mehr Fluglärm für Erzhausen, Wixhausen, Egelsbach und Messel

Stopp Cindy-S e.V. zur 285. FLK-Sitzung: Die Kommission hat nicht entschieden. Dabei zeigen die dort vorgelegten FFR-Zahlen, dass Erzhausen, Wixhausen und Egelsbach nachts heute mehr Fluglärm tragen, als an der Arheilger Messstelle vor CINDY-S gemessen wurde.

(Darmstadt/Erzhausen, 29. September 2026)

In ihrer Pressemitteilung zur 285. Sitzung am 16. September spricht die Fluglärmkommission Frankfurt (FLK) nur knapp von „Zunahmen in Erzhausen und Egelsbach“. Eine Entscheidung hat sie nicht getroffen: Über CINDY-S und den Antrag der Gemeinde Erzhausen sowie der Landkreise Offenbach und Darmstadt-Dieburg wird erst am 2. Dezember abgestimmt. Die Zahlen, die das Forum Flughafen und Region (FFR) in der Sitzung vorgelegt hat, zeigen weit mehr, als die Pressemitteilung zugibt: CINDY-S hat den Fluglärm nicht verringert, sondern verlagert – und verstärkt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung der FFR-Daten durch den Verein Stopp Cindy-S e.V.

Nachts lauter als an der Arheilger Messstelle vor der Umstellung

In Erzhausen, Wixhausen und Egelsbach liegt der nächtliche Dauerschallpegel heute über dem Wert, der vor der Umstellung in Darmstadt-Arheilgen gemessen wurde. Arheilgen ist der Stadtteil, dessen Entlastung die neue Route rechtfertigen sollte. Alle Vergleiche beziehen sich dabei auf die Messstellen des FFR; die Arheilger Messstelle liegt nicht im am stärksten belasteten Norden des Stadtteils. Besonders deutlich zeigt sich die Verschiebung bei den lauten nächtlichen Einzelereignissen:

  • Arheilgen verzeichnet nach den FFR-Daten keine mehr.
  • In Erzhausen hat sich ihre Häufigkeit verzehnfacht: von durchschnittlich 0,4 auf 4,1 Ereignisse pro Nacht. Das gesetzliche Kriterium für eine Nachtschutzzone liegt bei sechs.
  • Im Norden von Wixhausen hat sie sich mehr als verdoppelt, auf 5,0 pro Nacht. Das FFR selbst hält fest, dass dieser Wert nur knapp unter der Schwelle liegt.
  • Egelsbach war früher ohne solche Ereignisse und liegt heute etwa dort, wo Arheilgen vorher lag.

Mehr Lärm insgesamt – das Beispiel Wixhausen

Der Lärm wird damit nicht nur verlagert, er wird verstärkt. Zusammengenommen treten an den Orten, für die das FFR Werte vorlegt, nachts heute rund dreimal so viele laute Einzelereignisse auf wie vor der Umstellung. Wixhausen zeigt das besonders deutlich: Schon vor CINDY-S war es am Messpunkt im Norden des Ortes nachts lauter als in Arheilgen. Seitdem hat sich die nächtliche Schallenergie dort rechnerisch noch einmal verdoppelt – als flögen doppelt so viele Maschinen über den Ort. Heute liegt der Pegel dort deutlich über allem, was an der Arheilger Messstelle vor der Umstellung gemessen wurde.

Hinzu kommt ein Unterschied, der in keiner Bilanz auftaucht: Die Häuser in den neu belasteten Orten wurden gebaut, als dort niemand mit Fluglärm rechnete. Wer hier neu überflogen wird, hat keinen darauf ausgelegten baulichen Lärmschutz. In Teilen Arheilgens und Kranichsteins dagegen ist in Kenntnis der bestehenden Route gebaut worden.

Selbst die Stadt Darmstadt, die sich für die Verlagerung eingesetzt hat, räumt das inzwischen schriftlich ein: „Am Nordrand von Wixhausen ist im Vergleich zur alten Routenführung eine höhere Fluglärmbelastung vorhanden“, heißt es in ihren Antworten auf Bürgerfragen vom 24. September. Das zeigten Berechnungen wie Messungen.

Lärmspitzen: häufiger und lauter

Auch die einzelnen Lärmspitzen, also der Moment, in dem ein Flugzeug direkt über einen zieht, sind gewandert:

  • In Erzhausen treten sie heute tagsüber knapp ein Drittel häufiger auf als früher in Arheilgen, nachts ebenso. Und sie sind spürbar lauter, als sie in Arheilgen je gemessen wurden.
  • In Egelsbach kommen sie nachts knapp um die Hälfte häufiger vor als früher in Arheilgen.

Egelsbach: doppelt belastet, ohne Stimme

In Egelsbach-Bayerseich war Fluglärm schon vor CINDY-S ein Thema, denn in der Nähe liegt der Flugplatz Egelsbach. Der Lärm abfliegender Maschinen vom Frankfurter Flughafen fiel dagegen bislang kaum ins Gewicht. Mit CINDY-S hat sich das geändert: Zu der bestehenden Belastung kommt nun der Lärm einer der am stärksten genutzten Abflugrouten hinzu. Das FFR spielt die Zunahme herunter und verweist darauf, dass es zuvor besonders leise gewesen sei. Doch genau darum geht es: CINDY-S schafft eine zusätzliche Belastung für ein Wohngebiet, das bereits Fluglärm ausgesetzt ist.

Mitreden darf Egelsbach dabei nicht. Die FLK hat über die geänderte Situation in Egelsbach entschieden, doch Egelsbach hat in der Kommission weder Sitz noch Stimme. Eine Kommission, die über die am stärksten Belasteten verhandelt ohne sie zu beteiligen, hat ein Legitimationsproblem. Die NORAH-Studie zeigt, was dabei auf dem Spiel steht: Mit zunehmender Lärmbelastung sinkt das Vertrauen in das Bemühen der verantwortlichen Institutionen, und die wahrgenommene Fairness des Entscheidungsverfahrens nimmt ab. Dieses Vertrauen verspielt, wer die Betroffenen nicht beteiligt.

Mehr Überflüge – und nur ein Teil wird gezählt

Der Dauerschallpegel in Messel liegt heute über dem, was das FFR aktuell für den Darmstädter Stadtteil Kranichstein ausweist – tagsüber wie nachts. Lärmspitzen erreicht Messel tagsüber doppelt so oft wie Arheilgen heute, nachts genauso oft und etwas lauter.

Die Zahl der Überflüge durch die jeweiligen Tore hat sich deutlich erhöht:

  • Messel: statt gut einem Überflug am Tag heute vier bis fünf – mehr als verdreifacht.
  • Wixhausen: mehr als verdoppelt.
  • Groß-Zimmern: heute fast siebzehn Überflüge am Tag statt rund neun – nahezu verdoppelt. Viele Maschinen weichen dort zudem deutlich von der vorgesehenen Flugbahn ab – die von der FLK gelobte „hohe Spurtreue“ gilt in Groß-Zimmern nicht.

Dabei zählt das FFR an diesen sogenannten Toren nur die Flüge durch einen eng begrenzten Korridor über die Orte. Was links und rechts daran vorbei fliegt, taucht in der Statistik nicht auf. Die Zahlen sind damit eine Untergrenze.

„Umfangreich und belastbar“? Das Monitoring ist nicht abgeschlossen

Die FLK nennt die Datengrundlage „umfangreich und belastbar“. Die Unterlagen zeigen Lücken – gerade dort, wo die Nächte am stärksten gestört werden:

  • Für Erzhausen, Egelsbach und Büttelborn weist das FFR keine Aufwachreaktionen der Hochbetroffenen aus.
  • Für Messel liegt nur eine einmonatige Vorab-Auswertung vor.
  • Für Weiterstadt liegt ebenfalls nur ein Monat bei den Maximalpegeln vor, der Dauerschallpegel steht noch aus.
  • Für Kranichstein fehlen die Vergleichswerte vor der Umstellung.
  • Die dritte Messung in Erzhausen und die Messungen in Groß-Zimmern und Schneppenhausen sollen erst bis zum 23. Oktober ausgewertet werden.

Ein Ergebnis, das schon feststeht?

Trotzdem stellt das FFR schon jetzt fest, die ursprüngliche Abwägung bleibe „valide“. Und die Stadt Darmstadt nennt keinen Schwellenwert, ab dem die Route zurückverlegt würde: Auch bei weiter steigendem Fluglärm bliebe die „Gesamtentlastungswirkung“ nach ihrer Darstellung bestehen. Wie viel zusätzlicher Lärm wäre also zu viel? Das Urteil scheint festzustehen, bevor die Auswertungen abgeschlossen sind. Wer so rechnet, verrechnet die Neubetroffenen gegen die Entlastung anderer – ohne ihre Aufwachreaktionen überhaupt auszuweisen. Ein Monitoring, dessen Ergebnis die Entscheidung nicht mehr verändern kann, ist keine Überprüfung.

Echte Alternativen wurden nicht geprüft

Berechnet wurden nur Wechselmodelle zwischen CINDY-S und der alten Route. Damit war das Ergebnis vorgegeben. Eine unabhängige Betrachtung echter Alternativen hat bis heute nicht stattgefunden.

Fazit

Es sind die Zahlen des FFR. Den Lärm, den Arheilgen losgeworden ist, müssen jetzt unter anderem Erzhausen, Wixhausen, Egelsbach und Messel ertragen. Ausgerechnet dort, wo die nächtlichen Lärmspitzen am stärksten zugenommen haben, fehlen die Angaben dazu, wie oft Menschen davon aufwachen.

„Das sind nicht unsere Zahlen, das sind die des FFR, vorgelegt in der eigenen Sitzung der Kommission“, sagt Jürgen Hadasik, 2. Vorsitzender des Stopp Cindy-S e.V. „Sie zeigen, dass der Lärm nicht weniger geworden ist, sondern umgezogen. Und dort, wo unsere Nächte am lautesten geworden sind, fehlt ausgerechnet die Angabe, wie oft die Menschen davon aufwachen. Eine Route, die Belastung nur verschiebt und deren Folgen für die neu Betroffenen nicht einmal vollständig ausgewiesen werden, darf nicht zum Dauerzustand werden. Bevor die Kommission am 2. Dezember entscheidet, müssen alle Zahlen offengelegt sein.“

Unsere Forderungen

Der Stopp Cindy-S e.V. fordert:

  1. die sofortige Aussetzung der Route CINDY/SULUS S/F (Moratorium), mindestens bis zur Entscheidung der FLK;
  2. eine unabhängige, wissenschaftlich fundierte Überprüfung des gesamten Verfahrens durch BAF und DFS, einschließlich der ursprünglichen Abwägung und echter Alternativen;
  3. die vollständige Veröffentlichung der Aufwachreaktionen für Erzhausen, Egelsbach und Büttelborn sowie der Vorher-Werte für Kranichstein vor dieser Entscheidung;
  4. eine verbindliche Abstimmung über den Antrag der Gemeinde Erzhausen und der Landkreise Offenbach und Darmstadt-Dieburg am 2. Dezember 2026, ohne Aufschub.

Faktenkasten für Redaktionen

Quelle: FFR, 285. FLK-Sitzung, 16.09.2026 via
https://www.flk-frankfurt.de/seite/de/flk/2154/-/285_Sitzung_am_1692026.html

  • Dauerschallpegel nachts (LAeq): Erzhausen 46,8 dB(A), Wixhausen 46,9 dB(A) (vorher 43,8 dB(A)), Egelsbach 42,0 dB(A) (vorher 29,1 dB(A)). Zum Vergleich: Arheilgen vor der Umstellung 41,4 dB(A), heute 34,2 dB(A).
  • Laute Nachtereignisse (NAT6x68; durchschnittliche Zahl der Überflüge pro Nacht mit einem Maximalpegel über 68 dB(A)), vorher → nachher: Erzhausen 0,4 → 4,1; Wixhausen 2,1 → 5,0; Egelsbach 0 → 0,7; Arheilgen 0,8 → 0; Summe dieser Orte 3,3 → 9,8. Das gesetzliche Kriterium für eine Nachtschutzzone liegt bei sechs Ereignissen.
  • Messel vs. Kranichstein (LAeq): tags 44,7 vs. 38,8 dB(A), nachts 35,8 vs. 31,1 dB(A)
  • Lärmspitzen Messel vs. Arheilgen heute (LAS,max): tags 12 vs. 6 pro Tag bei 59–60 dB(A); nachts je 0,9, Messel bei 60–61, Arheilgen bei 59–60 dB(A)
  • Überflüge durch die Tore, Durchschnitt pro Tag, AMTIX-Kurz → CINDY-S: Messel 1,3 → 4,5; Groß-Zimmern 8,6 → 16,6; Wixhausen mehr als verdoppelt; Erzhausen um rund 40 % gestiegen (gezählt werden nur Flüge innerhalb des jeweiligen Tores)
  • Lärmspitzen (LAS,max): Erzhausen heute 27 pro Tag bei 66–67 dB(A), Arheilgen vorher 21 pro Tag bei 63–64 dB(A); nachts 2,5 vs. 1,9

Die nächsten Termine

  • 8. Oktober 2026, 16:00 Uhr, Bürgerhaus Erzhausen: Pressekonferenz vor Ort – Eine Save-the-Date-Einladung wird in Kürze verschickt
  • 8. Oktober 2026, ab 18:00 Uhr, Bürgerhaus Erzhausen: Die Gemeindevertretungen von Erzhausen, Egelsbach und Messel laden gemeinsam mit dem Stopp Cindy-S e.V. zu einer großen Informationsveranstaltung ein. Vertreterinnen und Vertreter der Medien sind herzlich willkommen.
  • 17. Oktober 2026, ab 11:00 Uhr, an der B3 in Wixhausen: Aktionstag des Stopp Cindy-S e.V.

Weitere Informationen: https://stopp-cindy-s.de/aktion

Petition: https://www.stopp-cindy-s.de/index.php/mitmachen

Fotos: https://tinyurl.com/SCS-Raunheim-16092026

Fotos der Veranstaltung und der Demonstration stehen zur honorarfreien Verwendung bei Nennung „Foto: Stopp Cindy-S e.V.“ zur Verfügung.

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Pressekontakt
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Stopp Cindy-S e.V. · Bayerseich 1, 64390 Erzhausen
Amtsgericht Darmstadt, VR 85080

Pressemitteilungen: https://www.stopp-cindy-s.de/index.php/pressemitteilungen

Über Stopp Cindy-S e.V.

Stopp Cindy-S e.V. ist ein eingetragener Verein, der die Interessen von weit mehr als 70.000 Anwohnerinnen und Anwohnern südlich des Frankfurter Flughafens vertritt. Sie alle sind seit der Einführung der Abflugroute CINDY-S am 10. Juli 2025 neu von übermäßigem und rechtlich umstrittenem Fluglärm betroffen. Der Verein bündelt und koordiniert das Vorgehen der betroffenen Kommunen Mörfelden-Walldorf, Langen, Groß-Zimmern, Büttelborn, Egelsbach, Erzhausen, Gräfenhausen, Wixhausen, Messel und Schneppenhausen.

Der Verein setzt sich für die sofortige Aussetzung des Betriebs der Route CINDY-S sowie für ein transparentes und wissenschaftlich fundiertes Überprüfungsverfahren zur Genehmigung der Route durch das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) und die Deutsche Flugsicherung (DFS) ein. Zu seiner Arbeit zählen die Durchführung unabhängiger, gerichtsfester Lärmmessungen, die Koordinierung von Beschwerden und rechtlichen Schritten sowie der direkte Dialog mit politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern und den zuständigen Behörden.