Pressemitteilung 2026-016 09.10.2026

Stopp Cindy-S e.V.
Erzhausen | Messel | Egelsbach und umliegende Gemeinden

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Erzhausen, 9. Oktober 2026

„Ein Verfahrens- und Regulierungsversagen mit Ansage“: CINDY-S kostet das Vertrauen der Öffentlichkeit

Politische Spitzen mehrerer Kommunen und Stopp Cindy-S e.V. erneuerten in Erzhausen ihre Forderung nach einem Moratorium und einer vollständigen, unabhängigen Überprüfung. Die Petition dürfte noch in diesem Monat die Marke von 5.000 Unterschriften überschreiten.

Am Donnerstagabend nahmen knapp 500 Anwohnerinnen und Anwohner an einer öffentlichen Informationsveranstaltung im Bürgerhaus Erzhausen teil. Gastgeber waren die Gemeindevertretungen Erzhausen, Egelsbach und Messel in Zusammenarbeit mit Stopp Cindy-S e.V. Bürgermeister, Vorsitzende der Gemeindevertretungen und Fachleute des Vereins sprachen auf der Bühne und beantworteten während der Live-Fragerunde Fragen aus dem Publikum. Die Veranstaltung wurde live auf YouTube übertragen und erreichte zusätzlich knapp 100 Menschen, die von zu Hause aus zuschauten. Die Botschaft war eindeutig: CINDY-S ist ein Verfahrens- und Regulierungsversagen, das sich in Echtzeit vollzieht – mit realen Folgen –, und niemand in der Region unterstützt die Route.

Kein „Erzhäuser Thema“

Die Abflugroute CINDY-S betrifft zahlreiche Kommunen nördlich von Darmstadt und belastet weit mehr Menschen, als sie entlastet. Auf der Bühne standen Claudia Lange (Bürgermeisterin Erzhausen), Tobias Wilbrand (Bürgermeister Egelsbach), die Gemeindevertretungs-Vorsitzenden Tanja Launer (Erzhausen), Sascha Wurm (Egelsbach) und Dr. Harald Elstner (Messel) sowie Vorstand und Experten von Stopp Cindy-S e.V.

Unterschiedliche Orte, dieselbe Erfahrung

  • Erzhausen: Fluglärm, der lauter und häufiger ist als alles, was die sogenannten entlasteten Stadtteile Arheilgen und Kranichstein je erlebt haben.
  • Messel: Noch vor einem Jahr tauchte die Gemeinde im Kontrollgebiet gar nicht auf – und heute verfehlt sie die 48-dB-Linie, ab der Fluglärm amtlich als relevant gilt, nur um 50 bis 200 Meter. Für die Menschen dort ist der Lärm jedenfalls nicht „weit weg“. Hinzu kommt ein überproportionaler Anstieg an „Direktfreigaben“, bei denen Flugzeuge die gewundene CINDY-S-Route verlassen und so faktisch eine neue, nie genehmigte Flugroute über der Gemeinde und der Grube Messel, dem UNESCO-Welterbe, schaffen.
  • Groß-Zimmern: Die Überflüge haben stark zugenommen, doch die Stadt kam im Monitoring des UNH nicht vor.
  • Egelsbach: Der stärkste Lärmanstieg aller Kommunen – Überflüge, die zwar in großen Teilen unter dem Schwellenwert liegen, aber 2,5-fach lauter sind als zuvor.

Das Vertrauen der Öffentlichkeit steht auf dem Spiel

Das Vertrauen der Öffentlichkeit schwindet bereits – nicht nur in die Politik, sondern auch in die Institutionen, die das Gemeinwohl wahren sollen: das Forum Flughafen und Region (FFR), das Umwelt- und Nachbarschaftshaus (UNH) sowie Vorstand und Geschäftsführung der Fluglärmkommission (FLK).

Stopp Cindy-S e.V. ist überzeugt, dass vielen FLK-Mitgliedern, wie auch der breiten Öffentlichkeit, die tatsächlichen Auswirkungen von CINDY-S am Boden bei der ursprünglichen Genehmigung zur Probebetrieb nicht bewusst waren, und lädt alle dazu ein, sich anhand der Fakten ein eigenes Bild zu machen.

Mit jedem Tag, an dem CINDY-S fortbesteht, wächst der Vertrauensverlust weiter.

Prof. Dr. Stefan Noll analysierte die ethischen und politischen Verfahrensmängel und wies darauf hin, dass das Prinzip einer fairen, demokratischen Lastenteilung ausgehöhlt wurde. Ausgerechnet jene Gremien, die die Route selbst vorgeschlagen haben, sollen sie nun überprüfen – eine Prüfung ohne jede unabhängige Glaubwürdigkeit.

„CINDY-S ist zum Prüfstein dafür geworden, ob unsere Institutionen noch den Menschen dienen, die sie schützen sollen. Eine Entscheidung, die von massiven Verfahrensfehlern durchzogen ist und von der Öffentlichkeit abgelehnt wird, hat ihre Legitimation verloren. Das ist ein politisches und moralisches Versagen.“

– Martin Unverzagt, 1. Vorsitzender, Stopp Cindy-S e.V.

„Faire Lastenteilung heißt, dass die Last geteilt wird – nicht, dass sie denen aufgebürdet wird, die am wenigsten mitzureden hatten. Ich werde weiter ein Moratorium und eine unabhängige Überprüfung fordern, denn diese Entscheidung ist eine politische, nicht eine vermeintlich wissenschaftliche.“

– Tobias Wilbrand, Bürgermeister von Egelsbach


Faire Lastenteilung und weniger Lärm insgesamt

Stopp Cindy-S e.V. nannte zwei Grundsätze für jede akzeptable Lösung: Der Fluglärm müsse auf allen Schultern getragen werden, ohne dass die Entlastung einer Stadt mit neuer Belastung anderer erkauft wird. Und seine Gesamtmenge müsse überall sinken – zum Beispiel durch steile Abflüge am Frankfurter Flughafen –, statt die Lärmbelastung nur zu verlagern.

Messen, Melden, Gesundheit

Jürgen Hadasik stellte den aktuellen Stand der Lärmmessungen im von CINDY-S betroffenen Gebiet vor. Im Jahr 2026 sind bislang sechzehn privat betriebene Lärmmessstationen im unabhängigen Netz des Deutschen Fluglärmdienstes (DFLD e.V.) in Betrieb gegangen – weit mehr, als das UNH zur „offiziellen“ Überwachung der Flugroute betreibt. Mehr als 50 Interessierte aus der gesamten betroffenen Region haben sich für den Betrieb einer eigenen Station gemeldet.

Stopp Cindy-S e.V. befürwortete zudem die weitere private Entwicklung einer innovativen Lärmmelde-Webapp (https://fluglaermmelder.de). Im September gingen zum Korridor CINDY-S 121.686 Meldungen (Rohzählung) von 942 frustrierten Anwohnerinnen und Anwohnern ein.

Dr. med. Florian Unbehaun, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme des Klinikums Hanau, erläuterte die medizinische Perspektive: Fluglärm löse als plötzlich anschwellender Einzelschall eine Stressreaktion des Körpers aus. Bei Dauerbelastung drohten Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Schlafstörungen und Depressionen; laut Guski et al. (2024) steige das Herzinfarkt-Risiko je nach Studie schon ab 45 dB(A) um 3 bis 4 Prozent.

Eine FLK-Präsentation des hessischen Ministeriums aus dem Jahr 2018 gehe davon aus, dass sich Menschen nach einem anfänglichen „Change-Effekt“ mit der Zeit an neuen Fluglärm gewöhnen. Bei CINDY-S, so Unbehaun, werde das nicht geschehen.

„Als Arzt beunruhigt mich, was Menschen in allen betroffenen Kommunen schildern und was die Forschung belegt: Schlafstörungen, Dauerstress, ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das ist keine Frage des Komforts, sondern der Gesundheit von Zehntausenden.“

– Dr. med. Florian Unbehaun, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme des Klinikums Hanau


Fragen aus dem Publikum

Die Politiker und Experten auf der Bühne versuchten geduldig, die zahlreichen Fragen aus dem Publikum zu beantworten, die die Verwirrung, Frustration und Anspannung aller Beteiligten deutlich machten. Die Anwohner verlangten eine Erklärung dafür, warum alternative Maßnahmen – wie beispielsweise die sogenannten „Steep-Start“-Verfahren, die die Lärmbelastung für alle verringern würden – außer Acht gelassen wurden.

Andere fragten, warum die kumulative Lärmbelastung, die beispielsweise durch CINDY-S zusätzlich zu der durch den Flugplatz Egelsbach verursachten entsteht, von den verschiedenen für CINDY-S zuständigen Gremien nicht berücksichtigt wird. Niemand im Saal konnte diese Fragen beantworten.

Immer wieder brach im Saal Applaus aus, wenn die Rednerinnen und Redner auf der Bühne die tiefgreifende Ungerechtigkeit in Konzeption und Umsetzung von CINDY-S bekräftigten, der laufenden Überprüfung durch FFR und UNH jede unabhängige Glaubwürdigkeit absprachen oder deutlich machten, wie geschlossen die mehr als 600 Mitglieder von Stopp Cindy-S e.V. und die politischen Spitzen der Kommunen CINDY-S ablehnen.

Fast 5.000 Unterschriften – die Forderung bleibt

 Mehr als 4.600 Menschen haben die Petition gegen CINDY-S inzwischen unterzeichnet, die der Verein im Laufe des Oktobers beim Hessischen Landtag einreichen will. Stopp Cindy-S e.V. und die betroffenen Kommunen fordern weiterhin:

  • ein sofortiges Moratorium für CINDY-S sowie
  • eine vollständige, unabhängige Überprüfung der Route und des Verfahrens, das zu ihr geführt hat.

Der Widerstand wächst

Auch auf Kreisebene hat die Politik Stellung bezogen: Mit parteiübergreifender Unterstützung haben die Kreistage der Landkreise Darmstadt-Dieburg und Offenbach Beschlüsse gegen CINDY-S gefasst und damit zwei der am stärksten betroffenen Landkreise klar gegen die Route positioniert.

Der gemeinsame Antrag des Landkreises Darmstadt-Dieburg, des Landkreises Offenbach und der Gemeinde Erzhausen in der FLK, CINDY-S sofort zu stoppen und vollständig zu überprüfen, wird vom FLK-Vorstand weiterhin ignoriert. Die Unzufriedenheit in der Region wächst.

Der Abend hat verdeutlicht, dass CINDY-S ein wachsendes Verfahrens- und Regulierungsversagen ist, das wenigen nützt und vielen schadet.

Wer die Veranstaltung verpasst hat, kann sich die Aufzeichnung der Live-Übertragung hier ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=acIDts0zCVY

Die nächsten Termine

  • Oktober 2026, ab 11:00 Uhr, an der B3 in Wixhausen: Aktionstag des Stopp Cindy-S e.V. (geplant)
  • Oktober 2026, ab 15:00 Uhr, FFR-Sitzungen im Rathaus Rüsselsheim: Protestaktion von Stopp Cindy-S e.V. (geplant)

Weitere Informationen: https://stopp-cindy-s.de/aktion

Petition: https://www.stopp-cindy-s.de/index.php/mitmachen

Fotos: https://tinyurl.com/SCSerzhausen08102026
Fotos der Veranstaltung stehen zur honorarfreien Verwendung bei Nennung „Foto: Stopp Cindy-S e.V.“ zur Verfügung.

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Pressekontakt
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Stopp Cindy-S e.V. · Bayerseich 1, 64390 Erzhausen
Amtsgericht Darmstadt, VR 85080

Pressemitteilungen: https://www.stopp-cindy-s.de/index.php/pressemitteilungen

Über Stopp Cindy-S e.V.

Stopp Cindy-S e.V. ist ein eingetragener Verein, der die Interessen von weit mehr als 70.000 Anwohnerinnen und Anwohnern südlich des Frankfurter Flughafens vertritt. Sie alle sind seit der Einführung der Abflugroute CINDY-S am 10. Juli 2025 neu von übermäßigem und rechtlich umstrittenem Fluglärm betroffen. Der Verein bündelt und koordiniert das Vorgehen der betroffenen Kommunen Mörfelden-Walldorf, Langen, Groß-Zimmern, Büttelborn, Egelsbach, Erzhausen, Gräfenhausen, Wixhausen, Messel und Schneppenhausen.

Der Verein setzt sich für die sofortige Aussetzung des Betriebs der Route CINDY-S sowie für ein transparentes und wissenschaftlich fundiertes Überprüfungsverfahren zur Genehmigung der Route durch das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) und die Deutsche Flugsicherung (DFS) ein. Zu seiner Arbeit zählen die Durchführung unabhängiger, gerichtsfester Lärmmessungen, die Koordinierung von Beschwerden und rechtlichen Schritten sowie der direkte Dialog mit politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern und den zuständigen Behörden.